Salzburger Passionssingen 2019/2020: Hintergründe

Erfahren Sie mehr über die Gedanken von Josef Radauer zum Stück.

Im Leben gibt es immer wieder Begegnungen, die prägend sind, die das Denken und Handeln verändern und damit dem Leben eines Menschen eine neue Richtung geben können.

Solches widerfährt den Protagonisten dieses Passionssingens. Eigentlich werden sie in der Bibel nur kurz und am Rande erwähnt, erst in apokryphen Schriften erhalten sie Namen: Die beiden namenlosen Schächer, die links und rechts von Jesus gekreuzigt worden waren, wurden zu Dismas und Gesmas. Der römische „Hauptmann unterm Kreuz“ bekam später den Namen „Longinus“.

Über diese Randfiguren ist wenig bekannt und doch – bei näherer Betrachtung – ergeben sich interessante Fragen und Aspekte. Wer waren sie?

Die Tatsache, dass sie gekreuzigt wurden, lässt für die beiden „Leidensgenossen Jesu“ auf schwerwiegende Verbrechen schließen. Öffentlich hingerichtet wurden Aufständische, Rebellenführer und dergleichen.

Gab es zuvor eine Verbindung zu Jesus? Der eine kämpft gegen sein Schicksal an, kann es nur schwer akzeptieren und sucht die Schuld woanders; der andere fügt sich und versucht das beste aus seiner misslichen Lage zu machen. Beschreibt dies nicht „zwei Seelen in einer Brust“, die uns tagtäglich begegnen und beschäftigen – einmal mehr in die eine, dann wieder in die andere Richtung?

Auch der römische Hauptmann erfährt eine grundlegende Wandlung. Angeblich wurde er – bei der Kreuzigung zum Glauben an Jesus gekommen – von da an zu einem christlichen Missionar.

So begegnen uns mit ihnen fast unbemerkt die ersten „Heiligen“ der christlichen Religion. Ich wünsche den Besuchern unseres diesjährigen Salzburger Passionssingens, dass sich für sie aus diesem etwas ungewöhnlichen Blickwinkel – aus der Begegnung mit Dismas, Gesmas und Longinus – viel Nachdenkenswertes ergibt …